Menu

Nachgefragt –
So kam es zum Nearshoring-Standort in Pristina. Ein Interview mit Lundrim Hyseni

— Anja Schuster am 15. Juni 2020

Lundrim Hyseni absolvierte vor sechs Jahren sein Praktikumsjahr bei webtiser und ist danach direkt bei uns als Applikationsentwickler eingestiegen. Seit einem Jahr ist der diplomierte Wirtschaftsinformatiker HF als Country Manager für den Standort Kosovo verantwortlich.

Webtiser realisiert Projekte über fünf Standorte in ganz Europa verteilt. Der neuste Zugang ist das Büro in Pristina. Acht Mitarbeiter arbeiten dort in den Bereichen Testing, Frontend- und Backend-Entwicklung.

Wie kam es dazu, dass webtiser Pristina als neuen Standort gewählt hatte?

Ich war nach der Arbeit mit ein paar Arbeitskollegen unterwegs. Wir haben uns über die Standorte Sevilla und Madrid unterhalten. Diese waren sehr erfolgreich. Also haben wir ein bisschen herumgesponnen und über neue Standorte diskutiert. Einer meiner Kollegen war aus Kroatien, fand aber, dass er nicht genügend dort verwurzelt war. Als Doppelbürger kam mir dann die Idee, im Kosovo einen Standort aufzubauen. Aus dem Hirngespinst ist eine immer konkretere Idee geworden. Dann habe ich die Idee in einem Pitch der Geschäftsleitung unterbreitet und mit Zahlen untermauert. Ja, und nun gibt es den der Standort.

Welche sind die Vorteile des Kosovo?

In der Schweiz ist der Markt für gut qualifizierte Entwickler ausgetrocknet. Im Kosovo hingegen floriert der Markt gerade. Man kann dort eine gewisse Spezialisierung auf die IT-Branche erkennen. Es gibt sehr gute Universitäten und gut qualifiziertes Personal. Das habe ich auch beim Recruiting bemerkt. Die Auswahl an passenden Kandidaten war grösser als der aktuelle Bedarf. Natürlich spielen aber auch Kosten eine Rolle. Damit wir konkurrenzfähige Lösungen anbieten können, müssen wir schauen, wie wir die Kostenstruktur effizient gestalten können.

Foto von Lundrim Hyseni

Lundrim Hyseni, Country Manager Kosovo bei webtiser

Was motivierte dich dazu einen neuen Standort aufzubauen?

Vor allem die Herausforderungen, die diese Aufgabe mit sich bringt. Aber auch mein Heimatland in der Nachkriegszeit zu fördern, ist mir ein grosses Anliegen. Ich hatte das Glück in der Schweiz aufwachsen zu können, und möchte von meinen Privilegien nun etwas zurückgeben.

Du bist ja relativ jung und hast diesen Standort aufgebaut. Welche waren die wichtigsten Fähigkeiten?

Einer der Schlüsselfaktoren war natürlich mein Wissen um die Kultur und die Sprache. Es ist einfacher mit jemandem eine vertrauensvolle Basis aufzubauen, wenn man die gleiche Sprache spricht und einen gemeinsamen kulturellen Hintergrund hat.

Ein guter Geschäftssinn ist aber auch sehr wichtig. Man muss verstehen, wie ein Business funktioniert und muss auch bereit sein, unangenehme Aufgaben zu erledigen wie z.B. Kündigungen. Mein Studium hat mich da sicherlich auch mit gewissen notwendigen Tools ausgestattet.

Ein anderes Thema, was ich erst durch diese neue Aufgabe entdeckt habe, ist mein Instinkt, vor allem im Bereich Recruiting. Manchmal sieht man einen etwas dünnen Lebenslauf, denkt sich dann aber, dass es trotz mangelnder Erfahrung klappen könnte. Da dann den Mut zu haben, darauf zu hören, war eine neue Erfahrung für mich. Und es hat sich gezeigt, dass es wirklich funktioniert.

Das Ganze habe ich aber natürlich nicht alleine gestemmt. Ich hatte Unterstützung von der Geschäftsleitung und dem HR.

Bedeutet deine neue Position, dass Du jetzt in den Kosovo ziehen wirst?

Nein. Die Online-Kollaboration macht es möglich. Ich werde in der Schweiz bleiben aber viel hin und her reisen. Ich freue mich da auch sehr drauf, weil ich meine andere Heimat so noch besser kennenlernen werde.

Welches waren die grössten Herausforderungen?

Zum einen sicherlich die rechtlichen Barrieren. Es dauerte einige Zeit, bis ich die landespezifischen Gegebenheiten verstanden habe. Zum anderen ist es natürlich so, dass wir in Pristina einen eigenständigen Standort aufbauen. Wir machen wirklich Nearshoring und kein Outsourcing. Dafür die richtigen Mitarbeiter zu finden, denen man vertraut unsere Firma vor Ort zu vertreten, ist nicht leicht.

Wie empfindest du die Personalsuche vor Ort?

Anders. Das fängt bereits bei den Lebensläufen an. In der Schweiz sind die alle sehr einheitlich. Neben Personalien, Ausbildung und Berufserfahrung gibt man bei uns auch persönlichere Information preis, damit man sich von der Person ein besseres Bild machen kann. Im Kosovo sind die Lebensläufe schon sehr nüchtern und wenig auf die Person bezogen. Vielmehr geht es da um die Qualifikationen und die Berufserfahrung. Man bekommt so noch kein richtiges Gefühl für die Person. Das machte die Vorauswahl schwierig.

Als nicht Ortsansässiger war es auch schwierig, die Qualität der Universitäten abzuschätzen. Hier in der Schweiz weiss man einfach, wenn jemand von dieser Hochschule kommt, dann kann er was. Im Kosovo kannte ich mich anfänglich nicht aus, aber so langsam kann ich es gut einschätzen.

Womit wir im Kosovo sehr gute Erfahrungen gemacht haben, ist die aktive Personalsuche. Wir sind direkt auf potenzielle Kandidaten und Headhunter zugegangen. Wir haben sehr oft Rückmeldung bekommen und man musste kaum nachfassen. Das erleichterte die Arbeit ungemein.

Es hilft natürlich auch eine Schweizer Firma zu sein, die etwas im Kosovo aufbauen möchte. Die Schweiz hat international einfach ein gutes Renommée.

Hast du eine kleine Anekdote für mich?

Ja. Eigentlich hatten wir für das Büro einen Co-Working-Platz ausgesucht und alle vertraglichen Belange geklärt. Drei Tage vor Arbeitsbeginn stellte sich aber heraus, dass die Mitarbeiter nicht beieinander arbeiten konnten. Das hätte so nicht funktioniert. Ich musste dann innerhalb von drei Tagen ein neues Büro finden und die nötige Infrastruktur dafür besorgen. Es hat wirklich geklappt. Aber das waren wohl die drei intensivsten Tage meines Lebens.

Worauf bist du besonders stolz?

Es ist ein tolles Gefühl, dass mein Arbeitergeber mir so viel Vertrauen entgegen bringt. Ich bin seit sechs Jahren bei webtiser, habe hier mein Praktikum gemacht und habe hier während meines Studiums gearbeitet. Die Möglichkeit jetzt Country Manager für den Kosovo zu sein, ist toll.

Mitarbeiter in Pristina

Webtiser-Mitarbeiter in Pristina

Zum Abschluss ganz klassisch: was ist dein Ziel für den Standort Kosovo?

Ich möchte, dass wir als webtiser ein beliebter und verlässlicher Arbeitgeber im Kosovo werden. Natürlich auch, dass es so gut funktioniert, dass wir in naher Zukunft den Standort weiter ausbauen können. Das liegt mir wirklich sehr am Herzen.

Sind Sie bereit?

Sehr gut. Wir auch. Stellen Sie uns Ihre Fragen.

Mark Eichmann

CEO

+41 44 445 55 80

E-Mail Linkedin

Wolfgang Posch

Country Manager Austria

+43 677 62921219

E-Mail Linkedin

Doch noch nicht? Erfahren Sie mehr über unsere Kompetenzen und alle Referenzen oder melden Sie sich für unseren Newsletter an.

Um unsere Webseite optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhältst du in unserer Datenschutzerklärung.